Gedichte

Zwei ältere humoristische Gedichte

 

Des Waldwichtels Drama

 

Es tummelt im Walde

Im dichten Gebüsch

Ganz nah bei Frau Balde,

In goldgelbem Plüsch

 

Ein Wicht, und der singet

Voll Freude und bringet

Frau Balde den Gruss

Aus dem Walde,

 

Aus dem er gekommen

Als er sich besonnen

Den Weg zu begehen

Und ihn zu bestehen,

 

Mit heitrem Gemüte,

Besingend die Blüte,

Die dort um die Ecke,

Erspät schon die Schnecke,

 

Welche alsbald vergisst,

Was denn Anstand wohl ist

Und so sich vergessend

Die Blüte auffressend

 

In Wonne erstickend,

Den Wicht schon erblickend

Der wenig entzückt,

Schon etwas verrückt

 

Die Pistole gezückt…

 

Was weiter geschah

Das kann man sich denken,

Als der Herrgott es sah

Begann er zu lenken

 

Des Wichtels Geschicke

Mit wohlweisem Blicke…

 Schon bald im Oktober

Brach er das Genicke…

Des Jünglings Tod

 

Gestanden bin ich

Vor urfernen Zeiten

Am Grabe des Kindes

Bei dämmerndem Licht

 

Hab lange geweinet

Bis sie ihn befreiten

Des Knäbeleins Schicksal

Verstand ich wohl nicht.

 

So ging ich denn hin

In der Welten Geschicke,

Ich suchte das Glück

In dem Reichtum der Welt,

 

Doch wie es so ist

Mit erlogenem Glücke

Sieh – wie es bald schon

In Asche zerfällt.

 

Mein war das Knäblein

Die Mutter – sie starb.

Der Knabe war alles:

Mein Held und mein Grab.

 

Er trug bald das Hemd,

Das der Vater ihm gab,

Oh glanzvolle Jahre

Oh seeliger Knab.

 

Schon nahte der Tag

Voller Trauer und Schrecken

Da sah ich den Sohn,

Den Geliebten, vor mir:

 

Ein Kind noch –

Lag er in blutigem Flecken,

Vom Pferde gestürzet

In lichtweissem Schnee.

 

Wer hat ihn erschlagen

In feurigem Ritte

Oh, Rache gehört dir

Du trostlose Seel

 

Dort flehte und weinte

In schäumender Bitte

Ein andrer Jüngling:

Mir schnürt es die Kehl!

 

Oh Herrscher des Himmels

Oh gnadreicher Gott:

Mein Ein und mein Alles,

Warum schleppst du ihn fort!

 

Von nun an sollt bitter

Das Leben mich höhnen

Sollt Sterben nur noch

Die Tage belöhnen.

 

Voll Gram und in Qualen

Bestieg ich die Berge,

Fliehend vom Schaffen

Der grausamen Welt,

 

Ertrug nur die Kreuze

Und Blümlein am Wege

Hab bitter die Tage

In Trauer gezählt.

 

 

Nun wachet am Himmel

Ein goldener Stern

Schon steiget ein Zweiter

Ein Dritter hinan.

 

Geleitet vom Glanze

Erleuchten sie fern

Und schweigend, still nahet

Ein Schicksal heran…